Nun ist es so weit: Das größte Geheimnis wurde gelüftet, das Allerheiligste erkundet, die letzte Bastion erobert: Wir können euch endlich zeigen, wie es im roten Turm aussieht! Genau, der Turm unserer Schule, der Turm mit den vielen Uhren, von denen nur eine läuft – unser Turm!
Es ist leider tatsächlich so, dass Der Turm aus verschiedenen Gründen nicht betreten werden darf. Taubenkot oder undefinierbares Isolationsmaterial sind ein Risiko für die Gesundheit, bauliche Mängel stellen eine Gefahr dar, so dass außer einem Uhrmacher und einem Falken-Zähler eigentlich niemand dort hinein sollte, und auch die betreten das Ding nur einmal im Jahr. Aber: Gibt es sonst niemanden, der sich den Gefahren stellt? Doch! Unerschrocken stapft er durch das Gebäude, vom tiefsten Keller bis zu den höchsten Zinnen, macht die Lichter an und aus, kämpft mit der ständig defekten Heizung und schaut, dass alles seine Richtigkeit hat: Unser Hausmeister Herr Atci! Und freundlicherweise hat er bei der letzten Begehung ein paar Bilder gemacht und uns zur Verfügung gestellt: Vielen Dank!
Zunächst einmal: Der Turm ist leer, weil er tatsächlich noch nie für etwas benutzt wurde. Er ist zwar innen mit derselben schönen gelben Farbe gestrichen wie das ganze Haus A, aber einen wirklichen Zweck hatte das Ding nie, außer im zweiten Weltkrieg einmal als Aussichtsturm für die Flugabwehr. Ursprünglich sollte wohl einmal eine kleine Sternwarte hier einziehen, aber dafür gab es offensichtlich nie genug Geld.
Und so sieht es drinnen aus:

Ganz schön leer präsentiert sich das erste Stockwerk direkt über dem Treppenhaus. Wer den Turm von außen kennt (… oder das Beitragsfoto oben schnell kontrolliert), weiß, dass diese Türen ins Leere gehen (daher ist da auch ein Metallbügel davor). Hat da irgendwer einmal tatsächlich einmal Balkone geplant? Oder sollte das ein Rutschenparadies werden, direkt aus der Türe in die Röhre und ab auf den Schulhof? Einige Fragen bleiben wohl immer offen…
Auf jeden Fall beginnt ab hier das, was man von Türmen gewohnt ist:

Treppen, und zwar für eine ganze Weile. Wenn ihr noch einmal die Außenansicht des Turmes anschaut, merkt ihr, dass die nächsten Fenster deutlich weiter oben sind. Dazwischen gibt es eigentlich nichts, nur ein seltsames und sehr hohes Zwischenstockwerk.
Oben auf den nächsten beiden Bildern sind die runden Fenster zu erkennen, sowie die Treppe und der Fußboden des Zwischenstockwerks. Das seltsame Kästchen an der Schnur ist in Wirklichkeit ein Ablauf für das Kondenswasser an den Scheiben, damit der Fensterrahmen und die Wand nicht nass werden: Das Wasser fließt durch eine Röhre in den Behälter, da verdunstet es, und kondensiert bei nächster Gelegenheit wieder oben.
Die Leiter liegt die meiste Zeit einfach herum und ist glücklich darüber, wenn sie nicht ein oder zwei Mal im Jahrhundert dazu verwendet wird, eines der Fenster zu kontrollieren (geputzt werden die eh nicht…).

Das ist das obere Ende der Treppe aus dem zweiten Bild und ihre Fortsetzung.

Hier ein Blick aus einem der runden Fenster auf das zweite Treppenhaus in Haus A, mittlerweile befindet man sich über dem das eigentlichen Dach der Schule:

Fast ganz oben ist eine Turmstube, von außen erkennt ihr sie an den rechteckigen, länglichen Fenstern oberhalb der großen runden Fenster.
Hier befindet sich eigentlich ebenfalls nichts, außer einem seltsamen Schultisch mit Stuhl. Es stellt sich die Frage, warum eigentlich? War das der alte Raum zum Nachsitzen und Verfassen von Strafarbeiten? Haben hier die Lehrkräfte in Ruhe ihre Klassenarbeiten korrigiert? Und wer hat diesen Tisch die Treppen hochgeschleppt?

… und eine weitere Frage, die sich bei genauerer Betrachtung aufdrängt: Wer hat denn diese Flasche ausgetrunken, ein frustrierter Lehrer bei der Arbeit? Herr Atci war es nicht…

Was man an diesem Bild freilich gut sieht: Vogelkacke scheint tatsächlich ein ständiger Begleiter im Turm zu sein, je höher, desto mehr.

Diese seltsame Metallklammer ist wohl dazu gedacht, um den Mast einer Fahne festzuhalten. Das Fenster geht in die Richtung der Beuckestraße. Das Beflaggen zu allerlei Anlässen wurde in der NS-Zeit sehr oft vorgeschrieben.
Und dann endet auch der „schöne“ Teil des Turms: Jetzt gibt es nur noch eine sehr steile und enge Treppe, die in die kleine Kuppel oben auf der Spitze führt. Diese Spitze ist innen aus Holz gezimmert und außen mit Kupfer überzogen, und offensichtlich ziemlich dunkel, da die Fenster hier wirklich sehr klein sind.

Und auch hier fragt man sich: a) Was macht dieser Tisch hier?, b) Wo kommt die ganze Kacke her?, c) Was ist das für ein Dings auf dem Tisch?, und d): Wer will sich überhaupt noch auf diesen Stuhl setzen?

Zumindest das Ding auf dem Tisch kann mit den Turmfalken zu tun haben, die wohnen hier nämlich. Das Ding könnte einmal ein Teil dieses Kastens gewesen sein.
Allerdings ist dieser Kasten nur von außen zugänglich und hat nach innen keine Öffnung. Somit bleibt das Rätsel der Vogelkacke offen, Herr Atci vermutet, dass das mit einem Fenster zu tun haben könnte, das einmal für lange Zeit kaputt war. Dann wären Tauben in den Turm gekommen.
Aber das Schönste ist natürlich die Aussicht, die sich einem bietet, wenn man hier endlich ins Freie tritt:

Einmal der Blick hin zu Haus B, der ehemaligen Beuckeschule. Als der Turm gebaut wurde, befand sich noch das Gymnasium Zehlendorf darin, und man sieht schnell, dass darauf geachtet wurde, dass das Haus A ein paar Meter höher wird. Links sehr ihr die traurigen Reste der alten Turnhalle.
Es folgt der Blick zum S-Bahnhof und zur Droste-Schule: Die ist nämlich noch ein paar Meter kleiner. Ätsch!

Hier noch ein Blick auf das Haus A selbst, der erkennen lässt, wie hoch der Turm im Vergleich zum Gebäude wirklich ist. Der seltsame grübe Knubbel im Vordergrund ist eine der Verzierungen an jeder Ecke. Von unten gesehen sind die so klein, dass man sie fast übersieht.

Hier noch ein Bild, das für die Geschichte der Schule wichtig ist: Ein Einschussloch aus dem zweiten Weltkrieg. Offensichtlich gab es ein Gefecht um die Schule, oder zumindest einen Querschläger von irgendwo:

Und das hier noch zur Beantwortung der Frage, wer denn auf den Turm durfte: Niemand, mit der Ausnahme von ein paar sehr glücklichen Leuten, wie 1974 zum Beispiel ein Chemiekurs. Aber das gönnen wir denen, die hatten es ja in der Schule mit ihrer Fächerwahl auch nicht gut getroffen. Wofür die Abkürzung wohl steht?

Und dann bleibt nichts anderes mehr zu tun, als die ganze Strecke wieder hinunterzusteigen, Stufe für Stufe.
Aber jetzt habt ihr einmal eine Idee davon, wie es über euren Köpfen aussieht, wenn ihr die Treppen in Haus A hochsteigt: Leer! Wir hatten ja eine Lehrer-Lounge im Turm vermutet, oder ein Beobachtungsposten für Leute, die das Schulgelände verlassen wollen, oder ein Dimensionstor in ein anderes Universum, oder ein Landungsposten für Außerirdische Kolonialisten, die unseren Planeten oder zumindest Zehlendorf übernehmen wollten, aber wir haben nichts von alledem gesehen. Oder vielleicht hat Herr Atci alles verheimlicht und einfach nur das fotografiert, was wir sehen sollten?
Vielen Dank auf jeden Fall für die Bilder!
Sz
Bilder: Atci Media Services






