Hereinspaziert, hereinspaziert!
Herzlich willkommen im ranzigsten Raum des Schadow Gymnasiums, und wir befinden uns nicht im Sockel-007.
Auf die Wand aus abgestandener Luft beim Hereinkommen dürfen Sie heute verzichten, dafür werden hier ganz andere Sinne und Emotionen geweckt!
Zur kurzen Verortung dieses Raums; wir befinden uns im hinteren Teil des Erdgeschosses im Haus B neben dem Biologie-Hörsaal. Treten Sie doch bitte ein.
Nun, zu Ihrer Linken sehen Sie erst einmal einen Spindschrank (also einen Schrank mit mehreren Spinden) und neben diesem einen extrem großen Kühlschrank.
Diesen zu öffnen erwies sich als eine sehr interessante Maßnahme.
Bitte tun Sie dies doch nur, wenn Sie sich nach abgelaufenem (flockigem) Tomatensaft sehnen.
Dieser Raum ist ein so genannter Mehrzweck-Raum, denn wie vielleicht schon erhofft, beherbergen unsere Klassenräume keine derartigen Kühlschränke.
Ja, die aufgetürmten Cocktailgläser auf dem Kühlschrank dürfen Sie anfassen.
Die sind erstens aus Plastik und zweitens zusammengeklebt. Vielleicht fragen Sie sich, wo der pädagogische Wert von Cocktailgläsern in einer Schule liegt und ob dieser vielleicht durch die Tatsache, das diese zusammengeklebt sind, gehoben wird? Zu Recht.
Eventuell kommt es Ihnen so vor, als wäre dieser Raum seit einiger Zeit nicht mehr gesäubert worden, wo hier ja neben dem abgestandenen Geruch auch eingetrocknete Essensreste auf Pfannen und vor Dreck hart gewordene Lappen zu finden sind.
Aber keine Panik, technisch läuft hier alles super. Der Ofen und die Herdplatten funktionieren nach Wärme aufsteigend gestaffelt und ansonsten fließt das Wasser ebenfalls durch kleine Löcher des verkalkten Wasserhahns.
Treten Sie gerne näher und unterschreiben Sie doch bitte hier rechts unten dafür, dass wir keine Haftung für bakterielle Infektionen nach diesem Besuch übernehmen. Theoretisch dürfen Sie nun alles anfassen, der ganze Schimmel ist ja hinter Glas. Wir übernehmen keine Garantie für die Dichtigkeit der Gefäße. Sollten Sie gerade zufällig eine alte FFP2-Maske aus Corona-Zeiten bei sich tragen, wäre jetzt der perfekte Moment um diese zu gebrauchen.
Wenn Sie mir bitte folgen würden, um ein besonderes Prachtstück zu betrachten, natürlich auch hinter einer Kaffekannenglaswand.
Jaja, Schimmel kann schwimmen. Dieses Exemplar hat jedoch nur das Seepferdchen, es ist nicht mehr so viel Kaffe in der Kanne.
Es ist schon etwas länger her, dass hier jemand einen Wandanstrich vorgenommen hat und die „Küchenzeile“ ist trotz der vollen Funktion auch nicht mehr ganz neu. Dem Anschein nach sind hier schon ein paar Teile entfernt worden.
Immerhin gibt es eine Couch, die wirklich echt bequem ist (wenn man keine Knieprobleme hat).
Auch an Spiel, Spaß und Spannung mangelt es hier nicht und der Überraschungseffekt ist groß.
In Umzugskartons finden sich zahlreiche Backutensilien mit Zutaten und es gibt neue halb aufgebaute IKEA-Küchenteile. Sie merken; hier ist für jeden etwas dabei.
Bedauerlicherweise lassen sich die, in diesem Artikel genannten Fakten nicht mehr erleben, da B-019 einer Renovierung unterzogen wird. Hoffen wir, dieses außergewöhnliche Flair geht dadurch nicht verloren.
An dieser Stelle sollte allerdings erwähnt sein, dass der Raum aufgrund von schlechter Behandlung seitens der Schüler in einen solchen Zustand versetzt wurde.
Da frage ich mich nur, ob diese vor oder nach meinem Besuch stattfand. Umso wichtiger ist also dieses Dokument über die einstige Situation des Raumes.
Bitte verstehen Sie mich (vor allem als Hausmeister) nicht falsch, ich liebe meine und diese Schule mit allen Besonderheiten.
Helena
Bild: unsplash





